Thomas' Triumph Spitfire Seiten




Diese Seiten sind dem kleinen englischen Roadster Triumph Spitfire gewidmet. Der Triumph Spitfire erschien 1962 unter dem Namen Spitfire 4 als Konkurrennz für den überaus erfolgreichen Austin-Healey Sprite und MG Midget. Gegenüber diesen bot er eine Reihe von Vorteilen: Mehr Platz im Innenraum und für das Gepäck, einen särkeren Motor, ein komfortableres aber trotzdem sportliches Fahrwerk und Kurbelfenster. Das überzeugendste Argument für den Spit war aber seine bildhübsche Karosse, die vom Triumph-Haus-und-Hof-Designer Giovanni Michelotti gezeichnet wurde. Von Michelotti wurden Design-Meilensteine wie BMW Isetta, BMW 2002, Maserati Sebring und Triumph TR 4 gezeichnet. Mehr Infos zum Schaffen von Michelotti gibt es hier.
Michelotti gab dem Spitfire klassische Roadster-Proportionen mit langer Motorhaube, einem koketten Hüftschwung und kurzem Heck mit auf dem Weg. Dabei kann der komplette Vorderwagen aufgeklappt werden - das sieht nicht nur spektakulär aus, so sind auch alle Aggregate im  Motorraum gut zu erreichen. Allerdings ist es eine Herausforderung, die grosse Klappe so einzustellen, dass sie keinen Kontakt zu anderen Karosserieteilen hat und nicht klappert.
Technisch basiert der Spitfire auf dem Triumph Herald. Der Herald-Rahmen wurde leicht angepasst: Er wurde gekürzt und die seitlichen Ausleger wichen selbsttragenden Schwellern. Der Herald-Motor, der sein Debut als SC-Motor (Small Car) bereits 1950 im Standard Eight hatte, wurde durch zwei SU-Vergaser, vergrösserte Bohrung, erhöhte Verdichtung und überarbeiteten Zylinderkopf auf 63 PS gebracht. Das biedere, langhubige Graugussaggregat mit untenliegender Nockenwelle trägt viel zum kernigen Charme des Spitfire bei.
 
Ich habe meinen Spitfire Mk III im Dezember 2003 gekauft. So sah er damals aus (Grössere Bilder sind jeweils verlinkt).

Mit dieser Konzeption war der Triumph Spitfire bereits bei seinem Erscheinen nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Seine Zeitgenosse Alfa Spider zum Beispiel wirkt wie aus einer ganz anderen Zeit: freitragende Karosse, 4 Scheibenbremsen,  vollsynchronisiertes Getriebe, Leichtmetallmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Das Layout des Spitfires wirkt dagegen - drücken wir es höflich aus - britisch traditionell. Den heutigen Besitzer freut es, die simple Technik ist einfach zu warten, wenig Hohlräume bedeuten wenig Rost und vieles, was Anfang der 60er veraltet war, wirkt heute charmant.



Der Spitfire 4 verkaufte sich hervorragend., mehr als 45.000 Autos wurden produziert bis 1962 der Mk II vorgestellt wurde. Der Motor erstarkte auf 67 PS, der Innenraum wurde aufgewertet, neue Türgriffe und ein Grill mit Querstreben waren die wesentlichen Unterschiede vom Vorgänger. Vom Mk II wurden mehr als 37.000 Stück verkauft, bis 1967 die Entwicklung weiter zum Mk III ging. Weitere Informationen zu den frühen Spitfires und schöne Bilder gibt es beim 1. SCD.

Mit nochmals vergrösserte Bohrung und erneut überarbeitetem Zylinderkopf mobiliserte der alte SC-Motor nun kerngesunde 75 PS. Das machte den Mk III zur schnellsten aller Spitfire-Versionen, der Mk III erreichte immerhin 100 miles per hour. (Mein Spiti hat leider einen Motor vom Mk IV.) Weitere Änderungen waren ein Klappverdeck statt des vorher verbauten Steckverdecks, nochmals aufgewerter Innenraum - sogar mit serienmässig Holz. Ausserdem mussten die Stossstangen höher gesetzt werden - eine Konzession an die amrikanischen Sicherheitsvorschriften.
Die Meinungen über den Mk III gehen weit auseinander. Die einen halten ihn, besonders wegen der hochgesetzten Stossstangen, für stilistisch mislungen. Für andere ist er die begehrenswerteste Version, da er die schöne originale Karosserie, den besten Motor und eine deutlich höhere Alltagstauglichkeit durch das Klappverdeck miteinander verbindet. Die vorderen Stossstangen an meinem Spit sind nicht original - das Mittelstück wurde von einem Vorbesitzer entfernt. Die Ecken stehen ihm allerdings sehr gut - das Original ist wieder beim 1. SCD zu sehen.


Inzwischen habe ich mit dem Spit viele schöne Ausflüge gemacht, zum Beispiel zum Grossglockner. Alle Bilder vom Ausflug zum Grossglockner gibt es hier

65.000 Exemplare später, im Jahr 1970, war es Zeit für eine umfassende optische Modernisierung. Wieder wurde Maestro Michelotti engagiert. Dabei entstand eine Karosse, die mit den Stilmitteln der 70er den Spitfire neu interpretiert - deutlich weniger Chrom und deutlich eckiger. Wesentliche Änderungen zum Mk III: Neue Karosse, synchronisierter erster Gang, überarbeitete Hinterachse, verbessertes Verdeck. Die Motorleistung sank aufgrund strengerer Abgasvorschriften auf 63 PS. Vom Mk IV wurden 70.000 Stück gebaut.
1974 wurde der Spitfire ein letztes Mal kräftig modernisiert - immer strengere Abgasvorschriften in den USA und sinkende Absatzzahlen waren der Grund. Die Abgasvorschriften kosteten immer mehr Leistung, das sollte durch eine erneute Hubraumerweiterung kompensiert werden. Allerdings konnte der SC-Motor nicht weiter aufgebohrt werden, die Hubraumerweiterung wurde durch eine weitere Erhöhung des Kolbenhubs erreicht. Dadurch wurde der von vornherein leicht langhubig ausgelegte Motor zum extremen Langhuber. Die Leistung stieg wieder auf 75PS, allerdings wurde der Motor auch deutlich empfindlicher.

Die Fertigung des Spitfire endete im August 1980 nach über 18 Jahren und 314.152 produzierten Wagen.



Standard Triumph - und später British Leyland - war eigentlich immer knapp bei Kasse. Das wurde im Laufe der Bauzeit des Spitfire immer  deutlicher und wirkte sich immer stärker auf die Qualität der Wagen aus, besonders in den 70ern war die Qualität teilweise abenteuerlich. Der Gipfel war die Verleihung der "Gelben Zitrone" durch den ADAC für den schlechtesten Neuwagen.
Das ist ein Grund für den schlechten Ruf, der dem Spitfire lange anhaftete - der andere ist der Mangel an Pflege, den er durch viele Besitzer erfuhr. Lange Zeit war der Spitfire das billigste Cabrio, das als Neuwagen angeboten wurde und die Spitis wurden als billige Kiste gnadenlos heruntergeritten.

Viele Spitfire, die bis heute überlebt haben, sind jetzt in einem wirklich guten Zustand. Technisch sind heute für viele Schwachstellen des Spit Verbesserungen verfügbar - Elektrolüfter und der grössere Kühler der Kalifornienversion, um das
etwas schwächliche Kühlsystem (zumidest für heutigen Stop-and-Go Verkehr ungeignet) in den Griff zu bekommen, elektronische Zündung, Ölkühler - dadurch ist er heute bei vernünftiger Pflege wirklich zuverlässig.

Der Spitfire ist wirklich ein schöner Einstiegsklassiker - bezahlbar, günstig im Unterhalt und uvergleichlich einfache und überschaubare Technik. Und nicht zuletzt ist die Ersatzteilversorgung ausserordentlich gut bei günstigen Preisen - auch wenn die Ersatzteilqualität mitunter ein Problem war. Und die Reize der Michelotti-Karosse wirken noch immer.

Umfassende Informationen zum Spitfire und eine sehr empfehlenswerte Kaufberatung gibt es auf der Homepage vom 1. Spitfire Club Deutschlands